Wie wäre es, solche Leute mit auf Freizeiten zu nehmen, oder in den Gruppenstunden dabei zu haben? Geht so etwas überhaupt?
Ja, es geht. Es ist sogar eine Bereicherung für die Gruppe. Weil sie anders sind als die „normalen“ Kinder – und dieses „anders sein“ sie besonders macht.
Sie wollen dabei sein, nicht ausgegrenzt werden, wie alle anderen Kinder auch. Sie sind oft sehr direkt, sehr begeisterungsfähig und nehmen ihre Umwelt ganz anders wahr, als wir es tun. Wir können von ihnen lernen. Wie man Dinge langsam tut. Wie man Rücksicht nimmt. Wie man über einen Käfer lacht. Wie man Gefühle zeigt, ohne sich dafür zu schämen.
Wir vom Arbeitskreis Behindertenarbeit der DPSG Freiburg wollen euch helfen Vorurteile und Berührungsängste abzubauen, und euch ermutigen, Kinder mit Behinderung in eure Freizeiten zu integrieren. Hier einige wichtige Tipps von uns für eine erfolgreiche Freizeit für Kinder mit und ohne Behinderung.
1. Zuerst der Mensch - dann die Behinderung
Das Kind mit Behinderung sollte grundsätzlich so behandelt werden, wie alle anderen Kinder auch. Das heißt, es hat die gleichen Rechte und Pflichten (z.B. abspülen, Stimmrecht beim Programm). Es sollte keine Extrawürste kriegen, wo sie nicht zwingend notwendig sind.
2. Nichts ist unmöglich!
Man sollte nie von Vornherein sagen „ das geht nicht“! – Meistens geht viel mehr, als man für möglich hält: Eine Theateraufführung mit Jugendlichen mit geistiger Behinderung oder ein Geländespiel mit Rollstuhlfahrer – all dies bereichert die gesamte Gruppe und lässt spielerisch Grenzen überwinden. Manche Grenzen müssen aber akzeptiert werden und sollten sich nicht zum Nachteil für die ganze Gruppe entwickeln. Kann ich Fussball mit einem Blinden spielen? Vielleicht funktioniert es mit einem speziellen Blindenfussball, der beim Rollen Klingelgeräusche macht - und wenn nicht? Kein Grund, dass alle anderen auf Fussball verzichten. Vielleicht spielen ja auch alle mal eine Runde mit verbundenen Augen?
3. Vor der Freizeit mit den Eltern reden!
Beim Gespräch mit den Eltern sollten folgende Dinge geklärt werden. Das macht euch als Veranstalter sicherer und gibt auch den Eltern das Gefühl ihr Kind in guten Händen zu wissen.
- Was gibt es besonderes zu beachten?
- Bei was braucht das Kind Hilfestellung?
- Braucht es Medikamente?
- Welche Vergünstigungen bietet der Behindertenausweis?
- Die Eltern bitten, das Gepäck und die Kleidung ihres Kindes zu kennzeichnen, und eine Liste der Gegenstände beizulegen, die es dabei hat.
- Bei technisch/pflegerischen Besonderheiten (z.B. Wie setzt man das Hörgerät ein?) sollte man sich von den Eltern erklären lassen, wie sie funktionieren und was zu beachten ist.
4. EINEN Verantwortlichen für jedes Kind benennen
Für jedes Kind mit Behinderung ist es ratsam EINEN Verantwortlichen zu bestimmen, der den Kontakt mit den Eltern hatte, sich (soweit nötig) um Medikamenteneinnahme kümmert, auf sein Taschengeld achtet, die Krankenkassenkarte und den Behindertenausweis an sich nimmt, und auch auf die Hygiene achtet (z.B. nach frischer Unterwäsche fragt) – der Betreuer sollte möglichst vom gleichen Geschlecht wie das Kind sein.
5. Intimsphäre wahren
Auch ein Mensch mit Behinderung hat Schamgefühle. Deshalb sollte darauf geachtet werden, dass bei „intimen Hilfestellungen“ wie anziehen, auf’s Klo gehen oder ähnlichem am besten nur wenige Personen zuständig sind, die vom gleichen Geschlecht wie der/die Jugendliche mit Behinderung sind.
6. Selber machen lassen
Der Jugendliche mit Behinderung kann oft mehr, als man denkt. Allerdings braucht er für viele alltägliche Verrichtungen wie zum Beispiel beim Anziehen manchmal länger. In diesem Falle gilt: alles was er/sie selbst kann sollte man ihn oder sie auch selbst machen lassen.
7. Mit den „Nicht-Behinderten“ reden
Eine Behinderung „hindert“ Menschen an vielem. Dies sollte in der Gruppe offen thematisiert werden. Welchen Einschränkungen unterliegt das Kind aufgrund seiner Behinderung? Worauf sollen die anderen Kinder Rücksicht nehmen, ohne es auszulachen? Die nicht behinderten Kinder sollten mit ihren Ängsten und Problemen im Bezug auf das Kind mit Behinderung ernst genommen werden.
Idee für eine Gruppenstunde, zum „behindert sein“:
Zunächst werden Kärtchen gemalt, auf denen eine Körperbehinderung aufgemalt ist. Am einfachsten ist es, entsprechende Körperteile durchzustreichen (ein Arm, beide Arme, ein Auge, beide Augen, Mund). Jeder aus der Runde bekommt ein Kärtchen unter seinen Teller gelegt. Dann werden die Augen verbunden, die Arme nicht mehr benutzt, nicht mehr gesprochen, jeder entsprechend seinem Kärtchen. Und dann was leckeres zum Essen auf den Tisch. Viel Spaß!
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